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Wöchentlicher Themenblog

Fußspuren an der Decke

Etwas, das auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Nur, wenn man die Augen abwendet vom scheinbar Offensichtlichen und den Winkel ändert, wird es sinnlich erfassbar. Und selbst dann ist es noch unfassbar – wie gelangen bestimmte Dinge an Orte, an die sie nicht gehören?

Das ist es, was den Reiz des dieswöchigen Themas ausmacht. Selbst wenn alle Regeln befolgt werden, können wir immer noch auf Sätze stoßen, die innerhalb des Systems nicht bewiesen werden können.

So gelangen wir einmal mehr zu Kant: Eine Antinomie (griechisch ἄντι „gegen“, νόμος „Gesetz“; sinngemäß „Unvereinbarkeit von Gesetzen“) ist eine spezielle Art des logischen Widerspruchs, bei der die zueinander in Widerspruch stehenden Aussagen gleichermaßen gut begründet oder (im Fall formaler Systeme) bewiesen sind. (Quelle: Wikipedia)

Und während sowohl das Faszinierendste und gleichzeitig Bauchschmerzenerregendste in Wissenschaften Antinomien sind, so gibt mir dies Anlass auf eines hinzuweisen:

Die Wissenschaft ist nur Wissenschaft und ist vielleicht notwendig für unser Verständnis der Welt, aber nicht hinreichend.

Könnten wir mit der wissenschaftlichen Forschung alle Geschehnisse dieser Welt erklären, besäßen wir die Weltformel.

So wünschenswert und traumhaft es ist – wir haben sie nicht.

Wir sollten auf die Fußspuren an unserer Decke achten, selbst wenn sie dem ‚gesunden Menschenverstand‘ widersprechen – sie helfen uns ein Stückchen weiter die Weltformel zu finden, da sie uns signalisieren: Falscher Pfad, bitte wenden!

Und wir sollten dringend beachten, dass Wissenschaftsgläubigkeit nur dies ist: Wissenschaftsgläubigkeit.

Nichts spricht dagegen, den Erkenntnissen der Einzelwissenschaften zu vertrauen, aber Einstein wäre nie auf die Relativitätstheorie gekommen, hätte er Newtons Gravitation für bare Münze gehalten.

Na gut, Einstein sagte auch, Gott würfele nicht, aber in der Welt der Quanten scheint er das doch zu tun. Zum Beispiel:

(Und jetzt begebe ich mich nur für meine lieben Blogleser auf das sprichwörtliche dünne Eis und habe nur das Buch „Schrödingers Katze auf dem Mandelbrotbaum“ als Hilfe zur Verfügung. Es möge sich doch bitte ein Physiker melden, um mir bei meinen Fußtapsen auf falschem Boden Korrekturen anbieten.)

Kann man ein Atom nicht beobachten. Es ist möglich, Licht mit kleiner Wellenlänge und hoher Energie auf ein Atom zu richten. Dann könnte man seine Lage genau bestimmen – Schade nur, dass wir es durch die hohe Energie aus seiner Bahn drängen. Will man nun wissen, wie es sich bewegt, bietet sich langwelliges Licht mit weniger Energie an. Die Folge: Wir sehen das Atom nur noch verschwommen. Selten liegen wohl Faszination und Frustration so nah beieinander! Offensichtlich und unfassbar wie Fußspuren an der Decke eben (wobei die nun irgendwie langweilig erscheinen…)

Umso merkwürdiger erscheinen mir da Menschen, die glauben, sie bewegen sich auf festem Grund, sobald sie zitieren: „Studien haben gezeigt, dass…“ oder „Wissenschaftler fanden heraus, dass…“

Diese Menschen will ich fragen: „Leute – seid ihr euch sicher? Schonmal was von Unschärfen oder Unbestimmtheiten gehört?“

Ich suche lieber noch eine Runde meine Zimmerdecke ab, vielleicht finde ich einen Handabdruck mit sechs Fingern, der die alte sokratische Weisheit bestätigt: „Ich weiß nur, dass ich nichts weiß.“

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Über lydigoesbritish

Right. Myself. Still searching, wandering wondering, beloved and neglected. Actually, I do smile a lot, love philosophy, linguistics and ice-cream. I enjoy cooking, watching films and being with friends. I've tried telling jokes but as that didn't work I decided to start blogging in a creative way. Which is just about every way I could possibly wander on in my imagination.

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  1. Pingback: Das Verbrechen « Katzenträume - September 27, 2010

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